015 Kirschendiebe mundtot machen

015 Kirschendiebe mundtot machen
Kirschendiebe mundtot machen

Endlich steh ich wieder mitten in Spalt. Jahrelang war ich in dem Kirschgarten da droben gestanden. Die alte Bäuerin hat sich immer daraufgesetzt, wenn sie im Kirschgarten war.
Apropos Kirschgarten. Da kann ich euch Sachen erzählen, die glaubt ihr nicht.

Die Kirschen, das rote Gold!

Das hat man fast geglaubt, so wie manche Kirschenbauern auf ihre Kirschen und die Kirschenpflückerinnen und -pflücker (= Kirschenbloder) aufgepasst haben.

Wenn die Kirschen reif wurden, sind oft die Kinder in den Kirschgarten geschickt worden. Dort mussten sie stundenlang immer wieder viel Lärm machen, um die gefräßigen Kirschendiebe, die Stare, zu vertreiben. Kirschenhüten hieß das.
Andere Bauern haben es immer wieder mal krachen lassen. Starenschreck hat man die Geräte genannt, die immer wieder einen lauten Knall von sich gegeben haben.
Wenn die Kirschen vor dem Federvieh gerettet werden konnten, so war das für einige Kirschenbauern kein Grund zur Entspannung.

Der reichen Kirschenernte drohte neue Gefahr. Die Kirschenbloder!

Man stelle sich vor: so ein Bloder steht hoch oben auf einer oft wackeligen Holzleiter, zupft seit Stunden Kirschen, pralle Sonne knallt ihm ins Genick, er hat Durst, die Arme werden müde und da nimmt er zwei, drei pralle Früchte … und isst sie auf!
Unvorstellbar, welch ein Schaden da entsteht, welche Ernteausfälle zu beklagen sind.
Man rechne nur mal hoch: Fünf Erntehelfer essen täglich 20 Kirschen und das 10 Tage lang. Das ergibt 1 000 Kirschen. Das bedeutet einen Einnahmeverlust von ….
Vielen Kirschenbauern war das egal. Sie rechneten nicht so. Ihnen waren die guten Erntehelfer wichtig und wertvoll.

Da gab´s aber auch andere. Die standen vor dem Problem, wie man die Kirschenbloder daran hindern kann, unerlaubterweise während der Arbeit Kirschen zu essen.

Guter Rat war teuer.



Den gierigen Schlund zu verkleben, war doch etwas zu drastisch, aber in die richtige Richtung gedacht. Und schon waren sehr kreative Lösungen für dieses gravierende Problem gefunden.

In einem Kirschgarten galt die Vorschrift, dass alle Erntehelfer unter der Arbeit laut pfeifen müssen. Wer nicht pfeift … der fällt unter den Verdacht, Kirschen zu essen!

Im Kirschgarten daneben wurden die Kirschenbloder angehalten, zu singen. Miteinander. Wer nicht singt … der isst!
Welche erbaulichen Lieder das waren, und ob es einen Vorsänger gab, das weiß ich nicht mehr so genau.
Ich habe irgendwie noch Großer Gott wir loben dich im Ohr. Aber das kann auch bei Christi Himmelfahrt an der Prozession gewesen sein.

Von einer besonders sparsamen Kirschenbäuerin wurde mir berichtet, dass die im Frühjahr immer größere Mengen Tabak eingekauft hat. Und das als Nichtraucherin!
Des Rätsels Lösung: Der Tabak war für ihre Kirschenzupfer. Die mussten während ihrer Arbeit rauchen. Denn wer raucht… richtig, kann nicht essen!

Ob die Bäuerin jemals die hohen Kosten für Tabak den Kosten für die von den Erntehelfern aufgegessenen Kirschen gegenübergestellt hat, das ist nicht überliefert.

Ich habe den Verdacht, dass das zwar keine Milchmädchenrechnung, aber doch eine Kirschmädchenrechnung war.

Aber eines muss man ihnen lassen: kreativ waren so mache Kirschenbauern schon, wenn es darum ging, die Gelegenheiten zum Verkosten einzuschränken.

Heute lacht man darüber, schüttelt den Kopf.

Erntehelfer hatten es in manchen Betrieben damals nicht ganz leicht.

Gut, dass das heute ganz anders ist! Zumindest hier in Spalt!

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